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Den Wald mit allen Sinnen erleben und als Ruhepol entdecken


Die Tagesklinik auf Gut Landscheid und die Klinik Wersbach bieten Patienten jetzt „Waldbaden“ als weitere ergänzende Therapie an. Ziel ist, dass Menschen in der Natur Ruhe finden, Achtsamkeit üben und entschleunigen.

Das leise Wispern der Blätter, ein würziger Duft des frühen Herbstlaubs, ein entfernter Vogelruf, das Schattenspiel, das die Morgensonne auf den Waldboden wirft – all das und noch viel mehr erfahren Patienten mit seelischen Erkrankungen in dem Wald, der direkt vor der Haustür des Guts Landscheid in Burscheid liegt, wenn sie am sogenannten „Waldbaden“ teilnehmen. Helen Mau und Anjeli Goindi, Mitarbeiterinnen der Klinik Wersbach in Witzhelden und der Tagesklinik auf Gut Landscheid, leiten die Teilnehmer dieses neuen, ergänzenden therapeutischen Angebots behutsam an,  in die Natur einzutauchen, sie mit allen Sinnen zu erfahren: Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen. Patienten mit seelischen Erkrankungen, aber auch Tagungsgäste des Hotels kommen in den Genuss des ganzheitlichen Naturerlebens. „Wir machen mit den kleinen Gruppen einfache, spielerische Übungen, damit die Patienten runterkommen und wahrnehmen, was die Natur ihnen bietet“, sagt Helen Mau. Das geschieht mit viel Ruhe,  wie in Zeitlupe und in kleinen Schritten. Waldbaden vermittelt die Entdeckung der Langsamkeit. Mau: „Wir gehen mit einem Zehntel des üblichen Gehtempos, möglichst barfuß, halten inne.“ Zum Einstieg heißt es „Augen schließen,  wahrnehmen, die Sinne schärfen.“ Das Sich Besinnen auf das Hier und Jetzt falle leichter, wenn vorher Atemübungen den Ruhemodus einleiten, die Pulsfrequenz senken. „Den Sauerstoff einatmen, langsam und bewusst ausatmen, das ist schon Meditation“, sagt Anjeli Goindi.  Auch eine angeleitete Meditation hilft, Teilnehmer aus dem Gedankenkarussell des Alltags zu führen. „Wir versuchen, die innere Ruhe zu aktivieren.“ Fällt es Menschen mit psychischen Erkrankungen schwer, runter zu kommen und eine Selbstreflektion zu wagen, hilft eine andere Übung: die Baumgarderobe. Die Teilnehmer legen ihre Probleme wie einen Mantel vorübergehend am Baum ab,  ohne auszusprechen, um welche es sich handelt.  Nach dem Waldbaden können sie die Probleme wieder mitnehmen oder einfach dort hängen lassen. „Etwa die Hälfte der Teilnehmer lassen die Probleme zurück“, sagen die Übungsleiterinnen.  
Helen Mau, Sporttherapeutin, Yogalehrerin und Personal Trainerin, sowie ihre Kollegin Anjeli Goindi, ausgebildete Tanztherapeutin, haben eine Zusatzausbildung absolviert, um Patienten und auch Tagungsgästen des Guts Landscheid das Waldbaden näher zu bringen. Die positiven Effekte des Waldbadens lassen sich nach ihren Angaben messen: objektiv, wenn der Serotoninspiegel im Körper steigt, der Adrenalinspiegel sinkt, die Atmung tiefer und der Puls ruhiger wird. Und subjektiv. „Wir fragen die Patienten jeweils  vor und nach dem Waldbesuch, wo ihr Wohlfühlbarometer auf einer Skala von 1 bis 10 liegt. Die meisten fühlen sich nach dem Waldbaden deutlich besser“, resümieren Mau und Goindi. Eine Offenheit für Atemübungen, Meditation und Achtsamkeit werde im Wald oft leichter geweckt als in einem Seminarraum. Goindi: „Man betritt den Wald und ist gleich in einer anderen Welt.“   Direkt vor der Tür des Guts Landscheid wurde - nicht nur zu diesem Zweck - kürzlich ein rund 50.000 Quadratmeter großes Waldstück von Klinik und Hotel  erworben.
„Waldbaden“ wird als Therapieform in Japan seit Langem angeboten, hierzulande scheint es in Mode zu kommen. „Aber eigentlich ist es nichts Neues“, sagt Dr. Christoph Florange, Chefarzt und Geschäftsführer der Klinik Wersbach. Historisch betrachtet, habe der Deutsche einen besonderen Bezug zum Wald. Strömungen der Romantik haben den Wald als Refugium entdeckt. Es gab die Wandervogelbewegung. Dichter und Maler haben den Wald  in den Fokus gerückt. Es sei eine Errungenschaft der Psychiatrie, die Irrenanstalten in den Städten, die sogenannten Narrentürme, aufzulösen, und große Landeskrankenhäuser in der Natur zu bauen. Die Erkenntnis damals war seinen Angaben zufolge: Die Natur beruhigt, sie führt zur Entspannung.  Es geht um Achtsamkeit und Entschleunigung. Dr. Florange: „Der Aufenthalt in der Natur lässt uns unsere Probleme relativieren, in ein anderes Licht hineinrücken.“ Der Auslöser dafür: Die Natur habe etwas Erhabenes und Ewiges.  Die Beobachtung der Natur, der Zyklen, der Kreislauf des Werdens und Vergehens, habe spirituelle oder auch religiöse Bezüge. Beim Waldbaden gehe es darum, zu beobachten, nachzuempfinden und zu beschreiben, was man wahrnimmt. „Das allein führt zur Entschleunigung und zum Stressabbau. Waldbaden muss natürlich von Therapeuten angeleitet werden“, so der Klinikdirektor.
Der Wald hebe die Stimmung, die Bewegung im Wald wirke antidepressiv und habe damit einen vorbeugenden Effekt. Der Blutdruck werde gesenkt, Schlaf verbessert, die Konzentration gesteigert. Seit Jahren biete die Klinik  daher Psychotherapiegruppen Wandern und Kneipp‘sche Anwendungen am Bach an. Nun können Patienten beim Waldbaden andere, vielleicht intensivere Naturerfahrungen machen und die Effekte auf Körper und Psyche anders spüren. Bestenfalls wenden die Patienten nach dem Klinikaufenthalt das Erfahrene in ihrem Alltag an, weil sie im Wald  Ruhe gefunden und ihre Kraftquelle entdeck haben.